Die Insel Mainau, die sich jeden Tag neu erfindet

Günther Rettelbach Agentur Heimatsee • 24. Februar 2026

Es gibt Orte am Bodensee, die schön sind. Und es gibt Orte, die wirken

Die Mainau gehört zur beiden

Wer über die Brücke kommt oder mit dem Schiff anlegt, merkt schnell: Diese Insel will nicht nur besucht werden. Sie will erlebt werden. Farben, Perspektiven, Geschichte, Duft, Weite, alles ist hier komponiert wie ein Bühnenbild, das sich mit jeder Jahreszeit verändert.


Das Luftbild der Mainau stammt aus dem Archiv des verstorbenen Luftfotografen Matthias Kunde, der uns über viele Jahre mit beeindruckenden Perspektiven vom Bodensee versorgt hat. Mit diesem Bild erinnern wir dankbar an seine Arbeit und sein feines Gespür für besondere Momente von oben.


Mit rund 45 Hektar ist die Mainau die drittgrößte Insel im Bodensee. Sie liegt im Überlinger See und gehört administrativ zu Konstanz, genauer zum Stadtteil Litzelstetten. Rund 40 Menschen leben dauerhaft hier. Und doch fühlt sich die Insel wie eine eigene kleine Welt an.

„Eine kokette kleine Dame“


Graf Lennart Bernadotte, der die Mainau im 20. Jahrhundert zu ihrer heutigen Blüte führte, beschrieb seine Insel mit einem Satz, der geblieben ist:


„Sie ist eine kokette kleine Dame, diese Mainau, die stets und ständig große Aufmerksamkeit fordert, noch mehr Liebe und vor allem unaufhörlich neue Kleider.“


Mit den „neuen Kleidern“ meinte er nichts anderes als das, was Besucher jedes Jahr aufs Neue sehen: den ständig wechselnden Blütenüberwurf. Die Mainau ist kein statischer Park. Sie ist ein lebendiger Jahreskalender.


Ein Garten, der größer denkt

Das milde Bodenseeklima macht möglich, was man hier zunächst nicht erwartet: Palmen, mediterrane Terrassen, exotische Kübelpflanzen. Und doch bleibt die Insel kein botanisches Sammelsurium. Sie ist strukturiert, bewusst angelegt, historisch gewachsen.


Herzstück ist das Arboretum mit hunderten Gehölzarten. Besonders eindrucksvoll sind die Mammutbäume, darunter sehr frühe Exemplare des Urweltmammutbaums in Europa. Diese Bäume stehen wie stille Zeitzeugen zwischen Schloss und See.

Im Frühjahr beginnt das Blumenjahr mit der Orchideenschau im Palmenhaus. Es folgen Tulpen, Narzissen und Hyazinthen, später Rhododendren und Azaleen. Der Sommer gehört den Rosen – rund 30.000 Rosenstöcke in etwa 1.200 Sorten. Und wenn anderswo die Saison langsam endet, beginnen auf der Mainau die Dahlienfelder mit Tausenden Blüten.


Die Insel ist damit nicht nur Ausflugsziel, sondern ein bewusst inszenierter Naturraum.

Geschichte unter jedem Schritt

Die Mainau war nie nur Garten.


Im Mittelalter gehörte sie dem Deutschen Orden. Das barocke Deutschordensschloss und die Schlosskirche St. Marien prägen bis heute das Bild der Insel. Nach der Säkularisation kam sie ins Großherzogtum Baden, später über Viktoria von Baden ins schwedische Königshaus.

1932 übernahm Lennart Bernadotte die Verantwortung für die damals verwilderte Insel. Nach dem Zweiten Weltkrieg öffnete er sie konsequent für Besucher. Seit 1974 gehört die Mainau der Lennart-Bernadotte-Stiftung, die sie als gemeinnütziges Projekt langfristig sichert.


Heute wird die Insel von der Mainau GmbH wirtschaftlich betrieben, ohne staatliche Subventionen, mit mehreren hundert saisonalen Arbeitsplätzen. Sie ist damit gleichzeitig Kulturdenkmal, Parkanlage, Tourismusbetrieb und Familienunternehmen.


Mehr als Blumen

Die Mainau bietet weit mehr als Blüten.


Das ganzjährig geöffnete Schmetterlingshaus zählt zu den größten seiner Art in Deutschland. Schloss, Kirche, Terrassen, Naturerlebnispfade und Veranstaltungen machen die Insel zu einem Ort, an dem Natur, Geschichte und Kultur ineinandergreifen.

Und doch bleibt ihr stärkstes Argument etwas anderes: Atmosphäre.

Es ist dieser Moment am Ufer, wenn das Wasser türkis schimmert, das Schloss in warmem Licht liegt und der Wind durch alte Bäume streicht. Dann versteht man, warum diese Insel nicht einfach eine Sehenswürdigkeit ist, sondern ein Gefühl.


Mein Gedanke

Die Mainau ist keine Postkarte.

Sie ist ein Versprechen.


Ein Versprechen, dass Natur gestaltet werden kann, ohne ihren Charakter zu verlieren. Dass Geschichte sichtbar bleibt. Und dass Schönheit kein Zufall ist, sondern Arbeit, Generation für Generation.


Oder, um es mit den Worten ihres bekanntesten Gestalters zu sagen: "Sie verlangt Aufmerksamkeit. Und sie belohnt sie".


ReGü Redaktion Heimatsee

Foto: Matthias Kunde

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