Ein Bodenseeufer erzählt Geschichte, Hörbranz Lochau und Bregenz
Vom Kaiserstrand zur Pipeline – Geschichte eines Bodenseeuferstreifens zwischen Lindau, Hörbranz, Lochau und Bregenz

Wer heute zwischen Lindau und Bregenz am Bodensee unterwegs ist, erlebt einen der schönsten frei zugänglichen Uferabschnitte der Gegend. Spaziergänger flanieren am Wasser entlang, Radfahrer folgen dem Seeufer und Badegäste springen von Stegen ins klare Wasser.
Im Rücken erhebt sich der bewaldete Pfänder, der das Panorama dieses Küstenstreifens prägt. Hinter dem Seeufer liegen die Gemeinden Hörbranz und Lochau, deren Siedlungsgebiet hier unsichtbar ineinander übergeht.
Heute wirkt dieser Abschnitt des Bodensees wie ein durchgehender Landschaftsraum zwischen Österreich und Deutschland. Doch seine Geschichte reicht weit über die idyllische Gegenwart hinaus.
Gemeindegrenzen am See – eine Besonderheit
Der unmittelbare Uferstreifen zwischen Bregenz und der deutschen Grenze gehört größtenteils zum Gemeindegebiet von Bregenz.
Die Gemeinden Lochau und Hörbranz reichen zwar bis unmittelbar an den See heran, ihre Grenzen verlaufen jedoch teilweise nur wenige Meter hinter dem eigentlichen Uferstreifen. Für Besucher wirkt dieser Abschnitt deshalb wie ein zusammenhängendes Seeufer zwischen Lindau und Bregenz.
Der Pfänder und die Orte rundherum
Der Pfänder gilt als Hausberg von Bregenz und prägt das Panorama dieses Küstenstreifens am Bodensee. Seine bewaldeten Hänge steigen unmittelbar hinter dem Seeufer an.
Ein Teil des Berges gehört allerdings auch zur Gemeinde Lochau, wodurch der Pfänder nicht ausschließlich Bregenzer Gebiet ist.
Das österreichische Leiblachtal
Die Orte Lochau, Hörbranz, Hohenweiler, Eichenberg und Möggers bilden gemeinsam das österreichische Leiblachtal.
Benannt ist dieses Gebiet nach der Leiblach, die bei Hörbranz in den Bodensee mündet. Der Landschaftsraum setzt sich über die Grenze hinweg auch auf deutscher Seite fort.
Sommerfrische am Bodensee
Zu Beginn des 20. Jahrhunderts war der Bodensee ein beliebtes Ziel für Reisende aus Wien, München oder Stuttgart. Wohlhabende Gäste suchten Erholung am Wasser.
1910 entstand direkt am See das heutige Seehotel am Kaiserstrand, damals eröffnet als Kaiser-Strand-Palast-Hotel. Die Lage unterhalb des Pfänders mit freiem Blick über den Bodensee machte das Haus zu einem der eindrucksvollsten Hotels am österreichischen Ufer.
1917 besuchten Karl I. von Österreich und Kaiserin Zita von Bourbon-Parma das Hotel. Der Kaiserstrand wurde damit zu einem Symbol jener Zeit, in der der Bodensee als elegante Reiseregion Mitteleuropas galt.
Krieg und Militär
Die politischen Umbrüche des 20. Jahrhunderts veränderten auch diesen Ort.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde das Gebäude zeitweise als Reservelazarett genutzt. Nach 1945 nutzten zunächst französische Besatzungstruppen den Komplex.
Ab 1953 übernahm schließlich das österreichische Bundesheer die Anlage. Das ehemalige Hotel wurde zur sogenannten Rhomberg-Kaserne und blieb bis 1997 militärisch genutzt.
Viele Menschen aus Vorarlberg verbinden diesen Ort bis heute mit dieser Zeit. Generationen von Rekruten leisteten hier ihren Dienst – mit einem ungewöhnlichen Blick aus den Stubenfenstern: direkt auf den Bodensee.
Spuren dieser Zeit
Noch heute finden sich in der Umgebung Hinweise auf diese militärische Vergangenheit. Wer etwa in den Bereichen von Lochau und Hörbranz unterwegs ist, entdeckt immer wieder die typischen gelben Warnschilder, die aus der Zeit militärischer Nutzung stammen und auf frühere Sperr- oder Übungsbereiche hinweisen.
Sie erinnern daran, dass dieses heute so friedliche Bodenseeufer lange Zeit Teil einer militärisch geprägten Landschaft war.
Industrie am Bodensee – die Pipeline
Auch das Ufer selbst war lange Zeit stärker wirtschaftlich genutzt.
In den 1960er Jahren entstand entlang des Bodensees eine Erdölleitung, die Rohöl von Genua über die Alpen bis nach Ingolstadt transportierte.
Diese Leitung gehörte zur Central European Line.
Zwischen Bregenz und Lochau verlief sie direkt am Seeufer. Der Abschnitt erhielt dadurch den Namen Pipeline, der bis heute geblieben ist.
Neben der Pipeline prägten auch Straße und Bahnlinie entlang des Bodensees lange Zeit das Bild dieses Ufers. Der Bereich war über Jahrzehnte eher Verkehrs- und Infrastrukturraum als Badeplatz.
Vom Infrastrukturraum zum Naherholungsgebiet
Mit der Stilllegung der Pipeline im Jahr 1997 begann sich das Bild dieses Bodenseeuferstreifens langsam zu verändern.
In mehreren Bauabschnitten wurde das Ufer neu gestaltet und teilweise renaturiert. Fuß- und Radwege wurden getrennt angelegt, Badeplätze erweitert und neue Stege gebaut.
Heute verbindet ein durchgehender Weg das Seeufer zwischen Lindau, Lochau, Hörbranz und Bregenz. Der einstige Infrastrukturraum ist zu einem beliebten Ort für Spaziergänge, Radtouren und Badeausflüge geworden.
Ein Bodenseeufer erzählt Geschichte
Wer heute am Wasser sitzt und über den Bodensee blickt, spürt von dieser wechselvollen Geschichte kaum noch etwas. Der See liegt ruhig vor einem, der Pfänder erhebt sich im Hintergrund und das Leben spielt sich entspannt am Ufer ab.
Doch genau hier zeigt sich, wie sich Landschaften verändern können.
Vom mondänen Hotel der Kaiserzeit über militärische Nutzung und Industrie bis hin zum heutigen Naherholungsraum erzählt dieses Bodenseeufer mehr als ein Jahrhundert Geschichte.
Und vielleicht liegt gerade darin sein besonderer Reiz:
Dass ein Ort, der sich so oft gewandelt hat, heute wieder das sein kann, was er ursprünglich einmal war.
Ein Platz am See.
Mehr See geht nicht.
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