Ein Haus, das nicht vergessen werden darf
Unser Besuch im Orthaus auf der Lindauer Insel und Reise ins 14 JH.
Ein Haus, das nicht vergessen werden darf
Man kommt hier nicht einfach so hinein.
Das Orthaus ist nicht öffentlich zugänglich. Man braucht einen Schlüssel. Und jemanden, der weiß, warum sich diese Tür überhaupt öffnen sollte.
Heute waren wir auf der Lindauer Insel.
Und Inge Graf hat uns eines ihrer lebenswichtigen Dinge gezeigt. Die Frau mit Schlüssel.
Ein Ort, für den sie steht.
Für den sie Verantwortung übernimmt.
Für den sie Führungen macht – damit er nicht in Vergessenheit gerät.
Von außen unscheinbar.
Ein wunderschönes, altes Haus am Alten Markt.
Das Orthaus zu Lindau im Bodensee.
Und im Hinterhof: eine Besonderheit, die man hier nicht erwartet.
Mehr als nur ein Gebäude
Der Begriff „Ort“ bedeutet „Eck“. Ursprünglich war das Orthaus ein Eckhaus am Alten Markt. Bereits im späten 14. Jahrhundert ist es belegt. Zwischen 1385 und 1413 gehörte es Berchtold Schultheiss, der mehrfach Stadtschreiber in Lindau war.
Doch was Zahlen nicht erzählen können, erzählt das Haus selbst.
Man betritt den Innenhof – und plötzlich wird es still. Fachwerk, Mauern, eine steile Treppe. Hier wurde gewaschen, gekocht, gearbeitet. In der offenen Esse wärmten sich die Menschen am Feuer. Alltag im Spätmittelalter.
Kein Museum hinter Glas.
Sondern gelebte Geschichte.
Das Fresko im Innenhof
Im Hinterhof befindet sich ein Fresko aus dem 16. Jahrhundert.
Heute nur noch in Fragmenten erhalten. Doch einst war die gesamte Wand prachtvoll bemalt. Bereits 1870 wurde dieses Freskogemälde in der Literatur erwähnt.
Es ist eines dieser Details, an denen man vorbeigehen könnte.
Oder stehenbleibt.
Und genau hier wird klar, warum Inge sich dafür einsetzt.
Weil solche Orte nur dann leben, wenn jemand hinschaut.

Renaissance und Barock unter einem Dach
Im Renaissance-Haus befindet sich ein Saal, der einst der Repräsentation diente. Hier wurden Gäste empfangen, musiziert, getanzt. Ein Renaissance-Einbauschrank ist bis heute erhalten.
Um 1700 wurde ein Zimmer dem barocken Zeitgeschmack angepasst. Stuckdecke, größere Fenster, bemalte Elemente. Ein Zeichen von Wohlstand.
Und ganz in der Nähe: das „Heimliche Gemach“. Für damalige Verhältnisse eine luxuriöse Toilettenanlage.
Auch das gehört zur Geschichte. Nicht nur der Glanz, sondern auch der Alltag.
Vom Stadtschreiber zur Zinngießerei
Nach Jahrhunderten wechselte das Haus seine Funktionen. 1822 wurde hier die Zinngießerei Winkler ansässig. Teller, Becher und Kannen wurden gefertigt – Handwerk statt Verwaltung.
Das Orthaus hat viele Zeiten erlebt.
Und steht noch immer.
Warum dieser Ort wichtig ist
In einer Stadt wie Lindau denkt man zuerst an den Hafen, den Leuchtturm, den See.
Doch es sind diese stillen Orte im Inneren der Insel, die erzählen, wie Menschen hier wirklich gelebt haben.
Inge Graf sorgt mit ihren Führungen dafür, dass genau das nicht verloren geht.
Dass wir nicht nur die Postkartenmotive sehen, sondern auch die Mauern dahinter.
Und genau deshalb war dieser Besuch heute etwas ganz Besonderes.
Ein unscheinbares Haus.
Ein Hinterhof mit Geschichte.
Ein Stück Lindau, das man erleben muss.
ReGü Redaktion Heimatsee
Urlaub am Bodensee. Mehr See geht nicht.
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